Wie groß ist die Bedeutung eigener, familiärer Erfahrungen in der Betreuung Sterbender einzuschätzen?

In einer der “Gießener Sterbestudien” aus dem Jahr 2020, konnte gezeigt werden, wie bedeutsam die biographische Erfahrung – also etwa der Verlust eines Familienmitgliedes oder engen Freundes – für die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit ist. Konfrontationen aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld besitzen demnach auch für die Helfer große Bedeutung.

In der Ausbildung und Begleitung von Pflegenden und Ärzten/-innen in Krankenhäusern und Pflegeheimen habe ich immer wieder beobachten können, dass ein Todesfall in der eigenen Familie häufig auch für erfahrene Helfer von großer Bedeutung und Konsequenz in deren Arbeit mit Sterbenden ist. Als wenn erst nach einer solchen – eigentlich ja privaten Erfahrung – das Sterben in dessen Auswirkungen, Bedeutung und Tragweite umfassend wahrgenommen werden könnte. Eine Erfahrung nach deren Refelexion und Bearbeitung Auswirkungen auf das berufliche Verhalten korrespondiert. 

Korrespondiert das Bewusstsein um die Endlichkeit mit der Empathiefähigkeit der Helfer?

Dies heißt natürliche nicht, dass Aus-, Fort- und Weiterbildungen nicht hilfreich und zielführend für die Arbeit mit Menschen in deren letzten Lebensphase wären. Zeigt aber deren mögliche Grenzen auf bzw. wie wichtig es ist, dass diese Elemente persönlicher Konfrontation beinhalten.

Der Umstand, dass die Familien kleiner werden, die Generationen nicht oder doch nur im Ausnahmefall zusammenleben, reduziert die Möglichkeit dieser sozialen Erfahrung. Dies sein, dass sich eine Entfremdung zur Eigenen Endlichkeit – auf individueller, aber auch gesellschaftlicher Ebene – vollzieht.

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